• Kristin Cashore "Die Beschenkte"

    Was wäre, wenn wir alle in einem bestimmte Bereich besonders herausragend wären? Wenn manche Menschen eine Gabe hätten, teuflisch oder zauberhaft? Und was wäre, wenn diese Menschen an einem besonderen Merkmal immer und überall erkennbar wären?

    Katsa ist einer dieser Menschen, sie ist eine Beschenkte. In allen sieben Königreichen ist sie für ihre Unerbittlichkeit bekannt, denn sie kann besonders schnell und ohne jede Waffe töten. Im Auftrag des Königs Randa aus den Middluns treibt sie Geld ein und sorgt für Loyalität der Lords gegenüber Randa, denn jeder Beschenkter gehört dessen König. Zum Ausgleich hat Katsa den „Rat“ ins Leben gerufen. Mit ihren Freunden Oll, Giddon, Raffin und einigen weiteren Verbündeten in den sieben Königreichen sorgen sie für Gerechtigkeit, unbemerkt von den Herrschern.
    Als Katsa eines Tages Bo, ein Prinz aus Lienid, bei der Rettung dessen Großvaters begegnet, ändert sich etwas in ihr. Ihm gegenüber ist sie nicht rüpelhaft und ruppig wie bei den meisten anderen in ihrer Umgebung. Er schafft es Katsa davon zu überzeugen, dass sie nicht von Randa abhängig ist, sondern selbst Herrin über ihr Leben. So entsagt sie sich der Kontrolle des Königs und reist mit Bo in Richtung Monsea, wo sie den Grund für die Entführung von Bo´s Großvater vermuten. Eine aufregende Reise quer durch das Land über Berge durch eisige Kälte und über das Meer beginnt.

    Die Covergestaltung von „Die Beschenkte“ sticht dem Betrachter sofort ins Auge - nicht durch knallig Farben, sondern durch ein Bild Ton in Ton gehalten. Verschwommen ist der Kopf und Rücken von Katsa dargestellt, die Haare zum Knoten zusammengebunden, da sie ihr lästig sind.
    Der Erstlingsroman von Kristin Cashore ist in drei Teile untergliedert und innerhalb dieser Teile in Kapitel ohne Nummern oder Namen. Zu Beginn des Romans befindet sich eine gezeichnete Karte der sieben Königreiche, welche dem Leser das Verstehen der Geschichte erleichtert. Denn gerade am Anfang erklärt Katsa als Ich-Erzählerin viel über den Aufbau der Königreiche und die Beziehungen zwischen den Königen.
    Zum Teil ist die Geschichte sehr vorhersehbar, was der Spannung aber keinen Abbruch tut, da sie eine gewisse Dynamik entwickelt. Dagegen langweilen anfangs die ausführlichen Beschreibungen von Katsa´s Kampfhandlungen.

    Ein schwacher Anfang, den aber das temporeiche und unerwartete Ende wieder wettmacht. „Die Beschenkte“ von Kristin Cashore ist auf jeden Fall empfehlenswert. Für alle, die es nicht erwarten können Neues von der Autorin zu lesen und der englischen Sprache etwas mächtig sind, kann ich „Fire“ empfehlen, welches einige Jahre vor „Die Beschenkte“ spielt.

    © Corinna Müller

    Daten zu Kristin Cashore „Die Beschenkte":
    ISBN: 978-3-551-58210-2
    Verlag: Carlsen
    Preis: 19,90 €
    Seitenzahl: 496
    Englischer Titel: Graceling

     

  • Mein erster Cardigan aus Jersey

    Dieses Wochenende habe ich meinen ersten Jersey Versuch gestartet. So schwierig finde ich das Nähen mit diesem Stoff gar nicht, wie viele es sagen. Das Einzige, was wirklich schwierig ist, ist das Zuschneiden. Ansonsten lernt man schnell mit diesem elastischen Stoff umzugehen. Nähfußdruck niedriger stellen, Zickzackstich, Jersey-Nadel und das reicht schon :) Ich bin mit dem Ergebnis super zufrieden und als nächsten probier ich das Kleid von einem der älteren Beiträge mit Jersey.  
    Der Schnitt ist übrigens folgender: http://www.cremer-kg.com/xt/products/McCallS-Schnittmuster/Hosen-Roecke/M5241.html

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  • Nick Hornby "Juliet, Naked"

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    Nick Hornby ist einer der erfolgreichsten britischen Autoren und hat unter anderem „High Fidelity“, „About a Boy“ und „A long way down“ geschrieben. Mit „Juliet, Naked“ erschien nun im September sein zehnter Roman.

    Annie findet sich nach 15 Jahren einer langweiligen Beziehung ohne Kind und ohne Ehering in einem einsamen Städtchen an der Küste Englands wieder. Mit dem Gefühl etwas verpasst zu haben und einem Mann namens Duncan an der Seite, der einem verschwundenem Rockstar mehr Aufmerksamkeit widmet als ihr, will sie ihr Leben ändern. Als eine nagelneue CD von besagtem Rockstar Tucker Crowe erscheint, bekommt Duncan eines der ersten Exemplare nach Hause geschickt. Nach mehrmaligem Anhören veröffentlicht er eine Rezension zu der CD „Juliet, Naked“, eine Rohfassung zu dem erfolgreichen Album „Juliet“, welches das Letzte von Tucker Crowe vor seinem Verschwinden war, im Internet. Nach Annies Meinung ist diese unrealistisch und falsch, da Duncan „Juliet, Naked“ besser findet als „Juliet“. Dies ist der Grund, weshalb Annie sich dazu verpflichtet fühlt, ebenfalls ihre Meinung auf der Plattform preiszugeben. Auf ihre Besprechung hin meldet sich Tucker Crowe per E-Mail bei ihr, da er sich von Annie verstanden fühlt. So nehmen die Dinge ihren Lauf.

    Das Cover des Buches sagt alles aus, was der Leser über den Inhalt wissen muss – es geht um Liebe und Musik. Die Musik wird durch die abgebildeten Kopfhörer dargestellt und die Liebe durch die sich küssenden Gesichter, welche aus den Kopfhörern geformt sind. Die drei Farben schwarz, pink und weiß lassen vermuten, dass es sich um Rockmusik handelt, da die schwarz-pink Kombination am meisten in diesem Genre vertreten ist. Entfernt der Betrachter den Schutzumschlag, strahlt ihm ein hochkant gestreiftes schwarz-pinkes Zebramuster entgegen, was ebenfalls rockig wirkt.
    Der Roman ist in lediglich 15 Kapitel unterteilt, somit sind diese auch relativ lang.

    Nach „High Fidelity“ erschien nun endlich ein neuer Roman von Nick Hornby zum Thema Rock- und Popmusik. Während „High Fidelity“ aus der Sicht eines Mannes in den Mittdreißigern geschrieben ist, sind die Protagonisten des neuen Romans „Juliet, Naked“ älter geworden. Aus der Sicht von Annie und Duncan, beide in den 40ern und Tucker Crowe bereits über 50, beschreibt Nick Hornby wunderbar witzig und oftmals ironisch die Gefühlswelten der Drei. Durch das Abwechseln der erzählenden Person erhält der Leser die Möglichkeit jede der Perspektiven zu verstehen und kann sich so sehr gut in Annie, Duncan und Tucker hineinversetzen. Trotz der Tatsache, dass die Protagonisten älter geworden sind, sind sie nicht erwachsener geworden, was meiner Meinung nach ein wenig an der Glaubwürdigkeit des Buches kratzt. Dennoch sollten „High Fidelity“ Liebhaber auch „Juliet, Naked“ lesen. Obwohl das Buch wenige Höhepunkte hat, so ist es dennoch Pflichtlektüre für Nick Hornby Fans und auch erheiternd für welche, die es noch werden wollen.

    © Corinna Müller

    Daten zu Nick Hornby „Juliet, Naked“:
    ISBN: 978-3-462-04139-2
    Verlag: Kiepenheuer & Witsch
    Preis: 19,95 €
    Seitenzahl: 384

     

  • Fingerstricken

    Gestern Abend hat mich die Stricklust gepackt. Da ich allerdings in diesem Bereich extrem unbegabt bin, muss ich mir andere Wege suchen, an einen gestrickten Schal zu kommen. Da gibt es einmal die Strickliesel, die nur „Würste“ fabriziert, aus denen man aber auch witzige Sachen machen kann. Dazu schreibe ich später mal einen Beitrag, da ich zurzeit keine Strickliesel-geeignete Wolle vorrätig habe. Die zweite Möglichkeit für Menschen wie mich ist das Fingerstricken. Eine witzige Angelegenheit, zu der es eine sehr gute Anleitung auf folgender Seite gibt: http://www.knitty.com/ISSUEsummer06/FEATfingerknitting.html
    Dieser Beitrag ist zwar auf Englisch verfasst, aber die Bilder finde ich selbsterklärend.

    Aus meinen zwei Knäueln ist ein recht langer Schal geworden. Ich finde ihn toll. Für die nächste Zeit habe ich mir vorgenommen ein Stück Holz zu nehmen und Nägel reinzuhauen. Vielleicht bis zu 7 oder 8. Dann kann ich nach dem Fingerstrickprinzip noch breitere Sachen herstellen. Ich bin schon sehr gespannt, ob das s funktioniert, wie ich mir das denke ^.^

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  • Nähprojekt Kleid

    Das ist nun das passende Kleid zu der Tasche aus dem Cut Magazin 1.
    So 100%ig zufrieden bin ich nicht, aber es war mein erster Versuch.
    Und eigenlich sieht es ja tragbar aus, oder?

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    Mein nächstes Projekt wird ein Jersey-Cardigan sein, manchmal als Drapé bezeichnet. Ich bin schon sehr gespannt, ob er mir gelingt. Aber auf jeden Fall werde ich das Ergebnis hier veröffentlichen.
    ^.^

     

  • Suzanne Collins "Die Triubte von Panem - Tödliche Spiele"

    24 Tribute aus zwölf Distrikten – je ein Mädchen und ein Junge zwischen 12 und 18 Jahren; mehrwöchige blutige Hungerspiele in einer abgesperrten Arena – ein Kampf ums Überleben; nur einer wird ruhmreich in seinen Distrikt zurückkehren – und hinterlässt 23 Tote.

    Wo einst Nordamerika war, ist nun Panem. Vom unerbittlichen Kapitol regiert, in welchem die Menschen in bester medizinischer und lebensmitteltechnischer Versorgung leben, kämpfen die Menschen in den meisten anderen Distrikten täglich ums Überleben. So auch Katniss Everdeen, die seit dem Tod ihres Vaters illegal außerhalb des Distriktes jagen muss, um ihre Mutter und ihre Schwester Prim zu ernähren.
    Seit einem Aufstand der Distrikte gegen das Kapitol werden jedes Jahr die Hungerspiele abgehalten, um die Menschen daran zu erinnern, wer die Macht über sie hat. Den Hungerspielen geht die Ernte voraus, die Wahl der Tribute. Dazu wird jeder Mensch gezwungen sich auf dem großen Platz seines Distriktes zu versammeln, um dem grausamen Schauspiel beizuwohnen.
    Im Distrikt 12 wird der Name von Prim, gerade erst 12 Jahre alt, aus der Lostrommel gezogen. Damit nimm das Geschehen einen tragischen Verlauf, denn Katniss fasst den Entschluss zum Schutz ihrer Schwester selbst an den Hungerspielen teilzunehmen. In diesem Moment konnte sie nicht ahnen, dass Peeta als männlicher Tribut gezogen wird. Er rettete Katniss vor einiger Zeit das Leben, da er tiefe Gefühle für sie hegt. Dadurch entstehen ungeahnte Probleme während der Spiele.

    Das Cover zeigt ein Mädchen mit stechend grünen ehrgeizigen Augen, hinter blutigem Blätterwerk verborgen. Der Schriftzug „Die Tribute von Panem“ ist in alter Serifenschrift gesetzt. Diese Komposition aus Schrift und Bild stellt den Widerspruch zwischen dem technologischen Fortschritt und den menschenunwürdigen Spielen auf niedrigstem Niveau dar. Das Buch „Die Tribute von Panem“ ist in drei Teile untergliedert: Die Tribute, Die Spiele, Der Sieger. Diese Abschnitte sind nochmals in insgesamt 27 Kapitel geteilt.
    Suzanne Collins hat einen einfachen, aber mitreißenden Schreibstil. Die Beschreibung des Kapitols und der Distrikte könnte gegensätzlicher nicht ausfallen: Während in Distrikt 12 illegal hinter dem Zaun außerhalb des Distriktes gejagt und gesammelt wird, bekommen die Menschen im Kapitol die ausgefallensten Mahlzeiten in übernatürlichen Mengen vorgsetzt. Während die Menschen in Distrikt 12 bei den meisten Verletzungen sterben müssen, haben die Menschen im Kapitol die interessantesten Medikamente gegen jede noch so harte eigentlich unheilbare Krankheit. Während die Menschen in Distrikt 12 in alten verwaschenen Sachen rumlaufen, tragen die Menschen im Kapitol schillernde Kostüme und bunte Perücken. So ist der Leser genauso wütend wie Katniss, als sie diese Ungerechtigkeit mit eigenen Augen sieht und das Unverständnis dieser Grausamkeiten verfolgt auch den Leser durch das gesamte Buch. Trotz der Vorhersehbarkeit einiger Begebenheiten ist es dennoch sehr spannend und der Leser muss einfach erfahren, wie es weiter geht.

    „Die Tribute von Panem“ lassen den Leser nicht mehr los. Teilweise grausam erzählt Suzanne Collins die Geschichte zweier junger Leute, die nicht die Chance bekommen sich zu lieben.
    Mit diesem ersten Band einer Trilogie hat Suzanne Collins die Messlatte hoch angesetzt und ich bin neugierig, ob die Autorin die Spannungskurve in den nächsten Büchern halten kann. „Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele“ sind unbedingt empfehlenswert für Jung und Alt.

    © Corinna Müller

     

    Daten zu Suzanne Collins „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“:
    ISBN: 978-3-7891-3218-6
    Verlag: Oetinger
    Preis: 17,90 €
    Seitenzahl: 416
    Altersempfehlung: ab 14 Jahren

     

  • Nähprojekt Tasche

    So, da is sie nun: Meine eigenhändig genähte Tasche nach dem Schnitt aus dem Cut-Magazin Nummer 1 (http://www.cut-magazine.com/). Ich bin eigentlich recht stolz auf das, was ich da fabriziert habe. Nur dachte ich nicht, dass die Tasche so GROSS wird. Da ist wohl mein ungeschultes Auge dran schuld. Sonst hätte ich den Schnitt sicher verkleinert .... Naja, benutzen kann ich sie trotzdem ^.^
    Übrigens habe ich aus dem selben Stoff (http://www.ikea.com/de/de/catalog/products/90150919) auch das Kleid aus dem Cut Magazin Nummer 1 genäht. Aber das blogge ich später (ist gerade in der Wäsche).

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  • Susan Fraser "Kostbar wie ein Tag mit dir"

    Annie und Marc sind seit 15 Jahren ein Ehepaar und haben einen Sohn im Grundschulalter. Sie lernten sich 1991 in einem Irish-Pub mitten in Paris kennen. Durch einen Autounfall sehen sich die Beiden nun in diese Zeit zurückversetzt. Ungebunden und kinderlos haben sie die Möglichkeit richtig zu machen, was vorher falsch lief. Sie haben eine zweite Chance erhalten.

    Von dem Cover des Romans „Kostbar wie ein Tag mit dir“ strahlt dem Leser ein hellblauer Himmel entgegen. Ein junges Paar liegt in einem Auto am Strand, die Beine baumeln seitlich aus dem Cabrio. Die Gestaltung vermittelt dem Leser die jugendliche Freiheit tun zu können, was man möchte und die Fähigkeit Chancen aufzugreifen.
    Der Roman von Susan Fraser ist in 51 Kapitel unterteilt, denen ein Prolog vorangestellt ist. Dieser soll den Leser in die Geschichte des Buches einführen, sorgt stattdessen aber für Verwirrung. Bereits hier beginnt die Autorin mit unerklärlichen Zeitsprüngen, deren Sinn dem Leser verborgen bleibt. Annie und Marc sitzen eben noch im Auto auf dem Weg nach Hause, im nächsten Moment stehen sie hinter ihrem Sohn im Kinderzimmer und auf einmal sind sie wieder im Irish-Pub, in dem sie vor 15 Jahren das letzte Mal waren. Die Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit sind schwer nachzuvollziehen, da es zwei Vergangenheiten gibt. Einmal die, die die beiden erlebt haben und die, welche sie gerade neu erleben. Durch dieses Grundproblem fällt es dem Leser schwer sich in die Hauptpersonen hinein zu fühlen, wodurch das Buch schnell langweilig wird.
    Die Geschichte wird von Annie erzählt. Der Leser bekommt rasch den Eindruck einer Therapiestunde bei einem Psychologen. So geh es vorrangig um die Probleme von Annie und deren Vergangenheit und nicht um die Probleme des Ehepaares. Annie schweift in ihren Erzählungen oftmals ab und macht Andeutungen, auf die sie später eingehen möchte. Dies hilft dem Leser nicht in diesem Moment die Situation zu verstehen.
    Susan Fraser flechtet viele französische Wortgruppen und Sätze in den Text ein. Meistens werden diese im nächsten Satz erklärt. Für nicht Französisch-Sprechende Menschen ist das Buch dadurch schwierig zu lesen.

    Bis zum Ende des Buches plagt den Leser die Frage, ob Susan Fraser Annie und Marc wirklich eine Zeitreise machen ließ, oder ob sich das alles nur in den Köpfen der Beiden abspielen soll. Ist Ersteres der Fall, hat die Covergestaltung das Genre verfehlt und den Leser in eine Falle geführt. Zusätzlich fehlt es dem Roman grundsätzlich an Struktur, er verwirrt den Leser und wird dadurch unglaubwürdig. Demnach kann ich ihn nur bedingt weiter empfehlen.

    © Corinna Müller

    Daten zu Susan Fraser "Kostbar wie ein Tag mit dir":
    ISBN: 978-3-7857-6009-3
    Verlag: Lübbe
    Preis: 14,95 €
    Seitenzahl: 286

     

  • Nähexperimente "Poloshirt"

    Die letzten Tage habe ich mich mal in meinen Nähkünsten geübt und ein altes L.O.G.G. Poloshirt von H&M bearbeitet. Die Farbe hellgelb gefiel und stand mir nicht, weshalb ich dieses noch in gutem Zustand befindliche Shirt nie angezogen habe. Unten seht ihr dieses Poloshirt in schwarz (ich habe mal wieder vergessen ein "Vorher-Foto" zu machen). Daneben befindet sich Foto meines neuen Shirts, welches man leider nicht ganz so gut erkennt ^.^ Ich habe die Ärmel gerafft, einen Hasen und einen Stern aus alten Stoffresten aufgenäht und das Ganze mit kleinen Steinchen und einer Borte geschmückt. Den Kragen habe ich brutal entfernt und den neuen Ausschnitt mit kleinen durchsichtigen Steinchen verziert (erkennt man auf dem Bild leider nicht). Ich finde es witzig und ganz gut gelungen für meine erste "Pimp-my-Shirt"-Erfahrung. Wenn jemand genauere Infos zu der Bearbeitung möchte, kann er mich gerne kontaktieren.

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  • James Frey "Strahlend schöner Morgen"

    Los Angeles wurde am 4. September 1781 durch eine kleine Gruppe von Frauen, Männern und Kindern gegründet. Heute bewohnen rund 15 Millionen Menschen die Stadt. Davon sind etwa 37% Weiße, 34% Latinos, 15% Afroamerikaner und 14% Asiaten.( Daten und Fakten zu Los Angeles: http://www.losangeles.citysam.de/los-angeles-info.htm, abgerufen am 10.09.2009)

    James Frey beschreibt in seinem Roman „Strahlend schöner Morgen“ die Geschichten vieler Menschen, die nichts gemein haben, außer die Suche nach einem besseren Leben und die Erfüllung der Träume in der Stadt der Engel. Manche Menschen, von denen James Frey schreibt, haben keine Namen. Andere Geschichten wiederum lassen den Leser das Buch über nicht los und werden von dem Autor intensiver dargestellt.

    Maddie und Dylan nehmen Reißaus von ihren kaputten Eltern und ihrer viel zu kleinen Heimatstadt. Sie wollen nach Los Angeles, um ein besseres Leben führen zu können.
    Die Mexikaner Graciella und Jorge wollen ihre Tochter Esperanza auf amerikanischem Boden zur Welt bringen, damit sie die Chance auf ein besseres Leben hat.
    Der Obdachlose Old Man Joe versäuft sein Dasein mit Chablis und haust in einer Toilette. Er hat dieses Leben gewählt und ist zufrieden, bis er ein zusammengeschlagenes Mädchen hinter einer Mülltonne findet und sich für sie verantwortlich fühlt.
    Amberton und Casey sind gefragte Filmstars und nur zur Tarnung miteinander verheiratet. Jeder der Beiden hängt seinen homosexuellen Wünschen nach.

    Das Buchcover ist in einem kühlen Blau gehalten und zeigt eine ruhige menschenleere Gegend. Eine einzelne weiße Bank steht auf dem Hügel, der zum Teil betoniert ist.
    Der Roman ist in Kapitel unterteilt. Zwischen diesen steht jeweils ein kurzer Text zur Geschichte von L.A. Der Leser erhält dadurch einen fundierten und umfangreichen Eindruck der Stadt der Träume, deren Entstehung und über die Menschen, die dort leben und lebten.
    Der Text ist linksbündig gesetzt. Dies ist eine Seltenheit und sieht gewöhnungsbedürftig aus. Die wörtliche Rede ist nicht gekennzeichnet, was den Leser auch gegen Ende des Buches noch verwirren kann. Aber diese Dinge machen den Roman und den Schreibstil des Autors einzigartig.
    Der Erzähler steht über dem Geschehen, beobachtet und gibt das Gesehene weiter. Er richtet nicht und erklärt die Gründe für das Handeln der Protagonisten nicht.

    Dieses Werk lässt den Leser leicht verwirrt und mit einem unguten Gefühl zurück. Wer dachte in L.A., der Stadt der Engel, würden sich Träume von Karriere und Geld erfüllen, wird eines besseren belehrt. Dieses Buch ist schmerzhaft real und raubt dem Leser sämtliche Illusionen. Und zeigt, dass nicht alles ein Happy End hat, wie es die Hollywood-Filme den Menschen oftmals glauben machen wollen.

    Traurig und oftmals brutal erzählt James Frey mit einer wunderbar klaren Sprache die Geschichten so vieler Menschen. Aber dennoch stehen nicht diese im Mittelpunkt, sondern die Stadt Los Angeles. Dieses Buch ist eine Biografie der Stadt und somit geeignet für alle L.A Liebhaber oder als Geschenk für selbige.

    © Corinna Müller

    Daten zu James Frey „Strahlend schöner Morgen“:
    ISBN: 978-3-550-08767-7
    Verlag: Ullstein Verlag
    Preis: 22,90 €
    Seitenzahl: 592

     

  • Sarah Kuttner "Mängelexemplar"

    Karo Herrmann verliert erst ihren Job bei einer Event-Management-Agentur, dann ihren Freund Philipp und letztlich ihre Nerven. Panik, Angst und Traurigkeit sind ihre neuen Begleiter. Aus der Depression helfen ihr bester Freund Nelson, ihre Mutter und ihre Psychotherapeutin Anette. So versucht Karo ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

    Das Buch ist genau wie Karo ein Mängelexemplar. Das Cover stellt zerknittertes Papier dar, mit einer Sicherheitsnadel zusammengehalten. Der Roman beginnt mit einem Prolog, endet mit einem Epilog und dazwischen sind viele nicht nummerierte Kapitel und ein Jahr Depression. Karo Herrmann ist überdreht, gestresst und anstrengend, aber auch selbstironisch, gut gelaunt und kokett. Nachdem die 27-jährige ihren Job verloren hat, jobbt sie nun gelegentlich in einer Kneipe und lässt sich heimlich die Miete von der Oma überweisen. Mit ihrem Freund Philipp führt sie eigentlich schon keine Beziehung mehr, sondern bestreitet eher ein Ich-hab-mich-an-dich-gewöhnt-Verhältnis. Vieles läuft schief und ihr Körper nimmt ihr das übel. Und er zeigt es ihr. Mit einer Panikattacke einfach so. Das Monster Angst tritt schreiend in Karos Leben, um sie zu rütteln und ihr zu sagen, dass da etwas schief läuft. Wie ein kleines Kind muss sie wieder bei ihrer Mutter einziehen, bekommt Tabletten und muss auf ein neues Leben lernen, wie früher das Laufen.

    Sarah Kuttner beschreibt kindlich umgangssprachlich mit viel Wortwitz ein Jahr in Karos Leben. Sämtlichen Objekten und Zuständen haucht sie Leben ein. Metaphernreich und mit einem unerschöpflichen Pott an Neologismen wie Kopfkirmes oder teenageresk versüßt sie dem Lesenden die Lektüre.

    Ein rasanter Lesespaß für jeden, der die Sprache einer mediengeprägten Jugend versteht. Sarah Kuttner hat mit Mängelexemplar den Nerv der Zeit getroffen und beschreibt die Situation aller stressgeplagten Menschen und gibt Anreize die eigene Lebensart zu überdenken.

    Daten zu Sarah Kuttner "Mängelexemplar ":
    ISBN: 978-3-10-042205-7
    Verlag: S. Fischer Verlag
    Preis: 14,95 €
    Seitezahl: 272

     

     

  • Carrie Ryan „The Forest – Wald der tausend Augen“

    Szenario: Das letzte Dorf auf der Welt. Inmitten eines Waldes. Umgeben von lebenden Toten. Durch einen dünnen Zaun getrennt. Auf einmal wird der Zaun durchbrochen. Wer wird überleben?

    Mary lebt in einem Dorf, welches von einem Maschendrahtzaun umgeben ist. Das hat einen guten Grund, denn außerhalb des Zaunes lauert der Tod. Der Wald hinter dieser dünnen Trennwand gehört den Ungeweihten. Kommt man ihnen zu nah, infizieren sie dich und du wirst einer Ihresgleichen.

    Schon immer lauschte Mary den Geschichten ihrer Mutter, die von einem großen salzigem Meer erzählt und Gebäuden viel größer als die Bäume. Als die Mutter von den Ungeweihten infiziert und Mary von ihrem Bruder Jed weggeschickt wird, muss sie sich der geheimnisvollen Schwesternschaft anschließen. Ihr Wunsch wächst ins Unermessliche, zu erfahren, ob es eine Welt außerhalb des Zaunes gibt. Als die Ungeweihten das Dorf stürmen, kann Mary mit ihrer ehemals besten Freundin Cass, Jed, Beth – Jeds Ehefrau, Harry – der Mann der Mary zur Frau will, Travis – der Mann, den Mary liebt, dem Hund Argos und einem kleinen Jungen namens Jakob fliehen. Hier beginnt die Jagd der Ungeweihten auf diese jungen Menschen, die vielleicht die letzten auf der Welt sind.

    Das Cover des Jugend-Mystery-Thrillers wirkt düster und wird von unheilvollen Farben beherrscht. Schwarz, dunkelgrün und an Blut erinnerndes Rot versprechen ein mystisch-spannendes Leseerlebnis. Der Roman ist in 36 Kapitel unterteilt und diese teilweise noch in Abschnitte – durch stilisiertes Gezweig getrennt, welches auch auf dem Cover zu finden ist.
    Carrie Ryan gibt anfangs keine Jahreszahl oder sonstige Hinweise auf die Zeit, in der die Geschichte spielt. Aber gegen Ende des Romanes kann der Leser sich denken, was mit der Welt passiert ist, wie wir sie kennen und wann dies geschehen ist. Der Schreibstil ist flüssig und nachvollziehbar. Allerdings merkt man, dass dieses Buch für Jugendliche geschrieben ist und so fehlt mir an mancher Stelle etwas mehr Horror. Die Autorin beschreibt sehr lebendig und dennoch habe ich mich nicht in Gefahr gefühlt, wenn die Ungeweihten angegriffen haben.
    Carrie Ryan lässt meiner Meinung nach ein bisschen zu viel Freiraum für eigene Gedanken und Schlussfolgerungen. Ein wenig mehr Aufklärung hätte ich mir gewünscht, gerade in Bezug auf die Entstehung der Ungeweihten.
    Das Geschehen wird aus der Sicht von Mary erzählt. Sie wirkt teilweise sehr ich-bezogen, zu ehrgeizig in Bezug auf ihre eigenen Ziele und zu wenig bedacht auf die Gefühle der Anderen. Daher fiel mir das Hineinfühlen in die Hauptperson Mary sehr schwer. Ich habe das Geschehen eher als interessierter außenstehender Beobachter verfolgt, nicht als Mary.
    Dem ungeachtet stellt das Buch eine gute Mischung aus spannender Handlung und erzählender Momente dar. Dem Leser wird keine Sekunde langweilig.

    Carrie Ryan´s Roman über das Ende der Welt lässt auch in den Träumen nicht los und auch nicht, nachdem man das Buch zur Seite gelegt hat. Es ist ein spannender Jugendthriller, der unbedingt empfehlenswert ist. Die Lesefreigabe ab 14 Jahren finde ich gerechtfertigt, aber es sollte nicht von jungen Erwachsenen mit zarten Gemütern gelesen werden.

    © Corinna Müller


    Daten zu Carrie Ryan "The Forest – Wald der tausend Augen ":

    ISBN: 978-3-570-16049-7
    Verlag: cbt
    Preis: 16,95 €
    Seitezahl: 400
    Empfohlenes Lesealter: ab 14
    Erscheinungsdatum: 17. August 2009

     

  • Michelle Zink "Die Prophezeiung der Schwestern"

    Lia und Alice müssen innerhalb kurzer Zeit einige drastische Veränderungen in ihrem Leben ertragen. Die Mutter der Zwillinge starb schon vor mehreren Jahren. Nun verließ auch der Vater auf mysteriöse Weise ihre Welt. Als wäre es damit nicht genug, erfahren die beiden ungleichen Geschwister, dass sie Teil einer sich seit Jahrhunderten fortsetzenden Prophezeiung sind.

    Die Geschichte um Lia und Alice spielt im Norden von New York auf Birchwood Manor im Jahre 1890. Eine Zeit, in der es sehr beschwerlich war an Informationen zu gelangen und die Menschen sich auf Bücher und Pferdekutschen verlassen mussten. So gestaltet es sich dementsprechend schwierig für Lia Details über die Prophezeiung zu erfahren. Besonders das immer deutlicher werdende Zeichen auf ihrem Handgelenk lässt sie intensivere Nachforschungen anstellen. Dadurch erfährt sie, dass Samael, der Teufel durch eine der Schwestern Zutritt zur Erde bekommt, dem Tor. Die andere Schwester hat die Aufgabe eines Wächters und soll verhindern, dass Samael und dessen Gefolge dies erreicht. Denn damit würde er das Ende der Welt durch die sieben Plagen einleiten. Noch verworrener wird alles, als Lia feststellt, dass Luisa, eine Mitschülerin aus der Schule und Sonia, eine Hellseherin aus der Stadt ein ähnliches Zeichen auf ihrem Handgelenk haben.

    Während Lia eher ernsthaft und grüblerisch ist, zeichnet sich Alice durch Listigkeit und Böswilligkeit aus. Es wird immer deutlicher, dass Alice auf der Seite von Samael steht. Nach und nach entfernt sie sich immer mehr von ihrer geliebten Schwester bis sie ihr sogar nach dem Leben trachtet. Was hat es mit dem Zeichen auf sich? Wer ist Tor und wer ist Wächter? Wird sich die Prophezeiung erfüllen?

    Die Covergestaltung ist wunderschön und romantisch. Abgebildet sind die beiden Schwestern Lia und Alice. Im Hintergrund verläuft eine uralt anmutende Schrift, die darstellt, dass es sich in der Geschichte um etwas Altes handelt. In den Ecken des Covers befinden sich stilisierte Blumenranken, die die Romantik unterstreichen. Diese poetische Gestaltung setzt sich innerhalb des Romanes fort. Jede Kapitelzahl ist umrankt von Ornamenten.
    Michelle Zink hat eine phantasiereiche Sprache. Beispiele hierfür sind: „Meine grünen Augen sind so tief wie ein bodenloser Brunnen.“ (Seite 18) und „[...] hüllt uns in ein Schweigen ein, das voller Worte steckt.“ (Seite 104). Ihren Ausdruck hat Michelle Zink der damaligen Zeit angepasst. Somit fühlt sich der Leser sofort wie im 19. Jahrhundert und vergisst, dass es auf den Straßen keine Pferdekutschen mehr als Fortbewegungsmittel gibt oder dass Häuser nicht mehr mit Kamin beheizt werden müssen.
    Die Charaktere werden durch eine detaillierte und bildhafte Beschreibung lebendig. Auch die Nebenfiguren, wie Henry, Luisa und Sonia werden nicht nur oberflächlich angeschnitten.

    Das Buch liest sich flüssig und es führt den Leser auf leichten Schwingen durch die 35 Kapitel. Es wird nicht langweilig, auch wenn keine sehr ausgeprägte Spannungskurve erkennbar ist. Der Leser trauert mit Lia, ängstigt sich wie Lia und entdeckt mit Lia.
    „Die Prophezeiung der Schwestern“ von Michelle Zink lässt den jungen Leser mit vielen offenen Fragen zurück, aber auch mit einer großen Erwartung auf den zweiten Band. Ein sehr gelungener Auftakt einer Trilogie.

    © Corinna Müller

     

    Daten zu Michelle Zink „Die Prophezeiung der Schwestern“:
    ISBN: 978-3-570-13721-5
    Verlag: CBJ (Random House)
    Preis: 17,95 €
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: August 2009

     

  • Jonas T. Bengtsson "Submarino"

    Nick ist ein Ex-Knacki, lebt am Stadtrand von Kopenhagen in einem Wohnheim. Er trinkt gerne zuviel Bier und ist trainiert täglich in einem Fitnessstudio seine Muskeln. Sein Bruder ist ein Heroin-Junkie und Vater des 5-jährigen Martin. Die Straße hat den Brüdern eine harte Sprache beigebracht, dennoch wollen sie beide ein besseres Leben, für sich und für ihre ´Schützlinge´- Ivan und Martin. Jonas T. Bengtsson beschreibt das Leben zweier Männer, die sich in ihrer Kindheit schon alleine durchschlagen mussten und dies als Erwachsene immer noch tun müssen.

    Jonas T. Bengtsson hat seinen Roman in Prolog, die Abschnitte „Ivan“ und „Martin“ und einen Epilog unterteilt. Es ist sicherlich gewollt, das die Abschnitte nicht den Namen des Handelnden tragen, sondern der Personen, die am meisten Hilfe von den Brüdern benötigen. Bei der Gestaltung der Kapitel ist die Formatierung nicht besonders gelungen. Meiner Meinung nach stört es das Auge, wenn ein Kapitel wegen drei Zeilen noch auf derselben Seite anfängt auf der das vorige endet.
    Die Farbgestaltung des Covers spiegelt das Wesen des Buches wider. Kalte Farben und das Bild eines jungen Mannes, der allein und geschwächt scheint, stellen die traurig lethargische Grundstimmung des Romanes dar. Der Klappentext ist gut geschrieben, trifft aber meiner Meinung nach den Inhalt des Buches nicht ganz.
    Der Schreibstil von Jonas T. Bengtsson ist durch kurze Sätze geprägt. Er benutzt kaum Nebensätze, schreibt fast nur Hauptsätze. Dadurch liest sich der Roman etwas abgehackt, wirkt statisch, was dem Inhalt des Buches jedoch förderlich ist. Es symbolisiert ein eintöniges Leben, in dem nicht die Kleinigkeiten zählen, sondern das reine Überleben. Auch die Wiederholungen im Text bestätigen diesen Eindruck. So geht Nick zum Beispiel jeden Tag dieselben Wege. Zusätzlich trägt dieser Schreibstil dazu bei, dass für den Leser das Leben der Brüder wie in einer Art Stummfilm in abgehackten Szenen abläuft. Als wären Nick und sein älterer Bruder nicht selbst Herr über das Geschehen. 
    Der Text ist nicht chronologisch, sonder von Sequenzen aus der Vergangenheit unterbrochen. Anfangs ist dies verwirrend, aber der Leser findet sich schnell in den Rhythmus des Autors ein und versteht die Zusammenhänge.

    Das Buch „Submarino“ von Jonas T. Bengtsson ist schockierend realistisch und zieht den Leser in eine Welt, vor der die meisten Menschen die Augen verschließen. Dieses Buch ist auf jeden Fall lesenswert und ich persönlich freue mich jetzt bereits auf die Verfilmung von Thomas Vinterberg („Das Fest“).

    © Corinna Müller

    Daten zu Jonas T. Bengtsson „Submarino“:
    ISBN: 978-3-608-50105-6
    Verlag: Tropen (bei Klett-Cotta)
    Preis: 19,90 €
    Seitenzahl: 380
    Erscheinungsdatum: 31. August 2009

     

  • Gaile Parkin "Kuchen backen in Kigali"

    Angel lebt in Kigali und verdient durch Kuchenbacken Geld. Für jeden Anlass und für jede Person lässt sie sich etwas Individuelles einfallen. Bei den Bestellungen kocht Angel immer erst Tee und unterhält sich dann mit ihren Kunden. Sie berichten von heiteren aber auch traurigen Erfahrungen und dem Geschehen während des Genozids in Ruanda. So lernt Angel eine Menge über die Menschen in ihrer Umgebung und kann dadurch viel auf ihr eigenes Leben übertragen.

    Das Cover von „Kuchen backen in Kigali“ sticht sofort ins Auge. Gold und Pink sind die beherrschenden Farben und sie machen Freude, sie heitern den Betrachter auf. Die Farbwahl ist genauso bunt wie Angel und ihre Kuchen es sind und demnach passend gewählt. Der Inhalt des Romans unterteilt sich in 14 Kapitel, welche alle eine Überschrift haben, die den wichtigsten Inhalt eines jeden Kapitels widerspiegelt.
    Der Schreibstil von Gaile Parkin wirkt naiv. Er passt dadurch sehr gut zu der Aussage des Romans, da er in Afrika zu einer Zeit spielt, in der die Menschen noch nicht großartig aufgeklärt waren. Über AIDS oder gleichgeschlechtliche Liebe und solche Dinge wissen die Bewohner in Kigali wenig. Und genau das drückt der Schreibstil von Gaile Parkin aus. Bleibt nur zu hoffen, dass sie eben diesen Stil dem Buch bewusst angepasst hat, denn er passt nicht zu jedem Genre.
    Es werden in „Kuchen backen in Kigali“ sehr viele verschiedene Geschichten erzählt, wodurch es schwer fällt, sich all die Namen zu den passenden Geschichten zu merken. Die Tiefe leidet darunter erheblich. Die Personen werden auch äußerlich nur wenig beschrieben, dadurch fällt es dem Leser schwer sich das Geschehen vorzustellen und sich hineinzufühlen. Er wird regelrecht von Lebenserfahrung zu Lebenserfahrung getrieben. Dessen ungeachtet liest sich der Roman leicht auch wenn die Spannungskurve gegen Null geht.

    Angel ist wahrhaftig ein Engel, wie der Name schon sagt. Sie sorgt sich um die Menschen in ihrer Nachbarschaft und hat immer einen Rat greifbar. Auf liebenswürdige Art und Weise schafft sie es, den Menschen zu helfen und über ihre Trauer hinwegzukommen. Dabei lernt sie auch ihre eigenen alten Wunden zu heilen.
    Dieses Buch ist für alle geeignet, die sich für fremde Kulturen interessieren und eine Lektüre für abendliche Stunden suchen, welches trotz der brisanten Themen die Laune des Lesers nicht verdirbt. Es ist flüssig geschrieben und enthält dennoch mindestens eine wichtige Lehre: Auch die einfachen Dinge im Leben können glücklich machen und die schlechten zwar nicht vergessen lassen, aber zumindest mit erhobenem Haupt in die Zukunft blicken lassen.

    © Corinna Müller

    Daten zu Gaile Parkin „Kuchen backen in Kigali“:
    ISBN: 978-3-550-08780-6
    Verlag: Ullstein Verlag
    Preis: 16,90 €
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 14. August 2009

     

  • What kind of reader are you???

    Ein witziges Quiz zu meinen Lesegewohnheiten ^.^

    What Kind of Reader Are You?

    Your Result: Dedicated Reader
    .

    You are always trying to find the time to get back to your book. You are convinced that the world would be a much better place if only everyone read more.

    Literate Good Citizen
    .
    Obsessive-Compulsive Bookworm
    .
    Book Snob
    .
    Fad Reader
    .
    Non-Reader
    .
    What Kind of Reader Are You?
    Quiz Created on GoToQuiz


  • Elizabeth Joy Arnold "Auf ewig und einen Tag"

    Kerry und Eve sind Zwillinge, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Kerry ist romantisch und ernsthaft während Eve impulsiv und rebellisch ist. Dennoch verbindet sie mehr als das übliche Band zwischen Schwestern. Doch dieses Band zerreißt, als sie sich beide in Justin verlieben, die Ereignisse aus dem Ruder laufen und sich ihre Wege schließlich trennen. Dreizehn Jahre später kehrt Kerry nach Block Island zurück, da Eve schwer krank ist, und muss sich den Dämonen der Vergangenheit stellen.

    Die Covergestaltung erinnert an eine japanische Geschichte, was das Thema des Buches etwas verfehlt. Dennoch ist es schön und romantisch gestaltet und passt insofern, dass es deutlich macht, um welches Genre es sich handelt: Eine wunderschön geschriebene Familiengeschichte für Frauen.
    Der Aufbau des Romans „Auf ewig und einen Tag“ von Elizabeth Joy Arnold ist auf den ersten Blick verwirrend. Es gibt eine Unterteilung in sechs Abschnitte, diese Abschnitte sind jeweils in Gegenwart und Vergangenheit gegliedert. Weiterhin ist das Buch in Kapitel 1 bis 37 innerhalb der Abschnitte segmentiert. Ein Zitat von Thomas Rathburn über die unberechenbare See ist dem Roman vorangestellt. Ein Prolog leitet in das Thema ein, lässt den Leser aber vorerst über die Geschehnisse im Unklaren. Und am Ende steht ein Epilog. Viele Unterteilungen für 512 Seiten.

    Der Roman ist aus der Sicht von Kerry geschrieben, sie schildert die Geschehnisse von 1993/1994 und von 2007. Die dreizehn Jahre dazwischen hatten die Geschwister jeglichen Kontakt abgebrochen. Umso erschreckender ist es für Kerry auf einmal Justins Stimme auf ihrem Anrufbeantworter zu hören, die sagt, dass ihre Schwester sterben wird. Nach all den Jahren ohne ihre bessere Hälfte macht sie sich auf den Rückweg nach Block Island.
    Der Schreibstil von Elizabeth Joy Arnold ist nicht statisch, aber auch nicht blumig. Sie geht einen für den Leser angenehmen Mittelweg, benutzt Vergleiche, hat einen verträumten Schreibstil. An manchen Stellen ist der Übergang zwischen Erinnerungen und dem Hier und Jetzt missglückt, was etwas verwirrt. Aber dennoch reißt das Buch den Leser mit, fängt ihn ein und führt ihn in eine andere Welt. Er leidet mit Kerry, er liebt und hasst mit Kerry und am Ende verzeiht er mit Kerry.

    Ein aufwühlender, unglaublich mitreißender Roman, der das Thema des Verlustes und der Vergebung aufgreift, die für unseren Seelenfrieden unabdingbar ist. „Auf ewig und einen Tag“ ist auf jeden Fall empfehlenswert.

    © Corinna Müller

    Daten zu Elizabeth Joy Arnold "Auf ewig und einen Tag":
    ISBN:978-3-453-35260-5
    Verlag: Diana Verlag
    Preis: 9,95 €
    Seitenzahl: 512

     

  • Brigitte Riebe "Der Kuss des Anubis"

    Als Miu, eine junge Ägypterin und Tochter eines bekannten Balsamierers, in der Schenke Zum Graureiher den Satz „Der Falke muss zum Himmel fliegen“ hört, weiß sie sofort, dass ein Anschlag auf den Pharao Tutanchamun geplant ist und verfolgt die vermeintlichen Mörder. Doch wie soll sie den Pharao davon in Kenntnis setzen, wo sein Palast doch so unerreichbar scheint? Als wäre dies nicht genug, plündern auch noch Grabräuber die heiligen Gräber von Nofretete und Echnaton. Auch diese gilt es ausfindig zu machen. Als dann noch Mius Jugendfreund und ihr Vater der Grabräuberschaft bezichtigt werden, scheint alles aus dem Ruder zu laufen. Wird sich doch noch alles zum Guten wenden?

    Der Aufbau des ersten historischen Jugendromans von Brigitte Riebe ist überschaubar. Es gibt einen Prolog und einen Epilog und dazwischen die Kapitel Eins bis Zwölf. Im Anhang findet der interessierte Leser eine Zeittafel und ein Glossar zum alten Ägypten. So bereitet dieses Buch nicht nur Lesespaß, sondern der junge Leser lern zusätzlich noch wichtige Dinge über Ägypten bzw. Kemet, wie es früher hieß. Wen der Roman sehr neugierig gemacht hat in Bezug auf die Geschichte von Ägypten, auf Mumien und den Pharao, der findet ganz hinten im Buch Literaturempfehlungen, um noch tiefer in diese Themen einzudringen.

    Der Roman ist hauptsächlich aus Mius Sicht geschrieben und schildert ihre Erfahrungen und Abenteuer. Hin und wieder streut Brigitte Riebe Abschnitte aus der Sicht der Nebencharaktere dazwischen, so dass der Leser immer ein wenig mehr weiß als Miu, aber dennoch nicht alles verraten bekommt. So bleibt es spannend und der Leser fiebert mit Miu mit. Besonders gefallen mir an der Schreibweise der Autorin die Vergleiche, die der Zeit, in der der Roman spielt, angepasst sind, wie zum Beispiel: „… dass ihre schlechte Laune so schnell verfliegen würde wie ein Schwarm Ibisse, der sich aus dem Schilf erhebt.“ (S.15) oder „… als sie wieder erwachte, hatte die Göttin Nut bereits ihre schützenden Flügel ausgebreitet.“ (S.25)

    Dieser Roman enthält alles, was sich ein junges Mädchen wünscht. Gleich mehrere Verehrer, einer davon sogar der Pharao, einen wohlhabenden Vater, der ihr ein schönes großen Haus bieten kann und ein Abenteuer, das ihr beweist, dass sie gebraucht wird und wichtig ist.
    Brigitte Riebe hat mit „Der Kuss des Anubis“ ein abenteuerliches Buch verfasst, welches auf jeden Fall empfehlenswert ist, denn so bekommen die jungen Erwachsenen wieder Lust auf die Geschichte.

    © Corinna Müller

    Daten zu Brigitte Riebe "Der Kuss des Anubis":
    ISBN: 978-3-570-13679-9
    Verlag: CBJ
    Preis: 15,95 €
    Seitezahl: 411

     

  • Michael Robotham "Dein Wille geschehe"

    Was beeinflusst das Handeln des Menschen? Wie treffen die Menschen Entscheidungen und weshalb treffen sie sie? Mit solchen und solch ähnlichen Fragen beschäftigt sich Joe O´Loughlin als ein renommierter Psychotherapeut. Gerade ist er mit seiner Familie nach Somerset gezogen, um den Gefahren und der Hektik der Großstadt zu entfliehen, schon wird er ohne es zu wollen in einen augenscheinlichen Selbstmord verwickelt. Doch warum hatte die Selbstmörderin ein Telefon am Ohr bevor sie von der Brücke sprang? Wieso hatte sie „Hure“ auf ihrem Bauch geschrieben stehen? Wieso lief sie zuvor stundenlang nackt durch den Wald? Alles für einen Selbstmord untypische Fragen. Hinzu kommt, dass plötzlich die Tochter der Verstorbenen vor der Tür von O´Loughlin steht und fest davon überzeugt ist, dass es kein Selbstmord war. So fügt sich eines zum anderen. Und eine spannende Jagd nach dem Mörder beginnt, der seine Opfer per Telefon willenlos macht.

    Das Cover weckt das Interesse des Betrachters durch Einfachheit. Die Farben rot wie Blut, schwarz wie der Tod und leuchtendes weiß im Hintergrund spiegeln den Inhalt des Buches wieder. Das Cover wird durch einen schwarz-roten Ast in der Mitte geteilt, wie es ein tiefer Einschnitt in das Leben macht. Weiterhin wird die Krähe als Symbol für den Tod und des Übergangs der Seele in das Reich der Toten dargestellt.
    Der Aufbau des Inhalts ist genauso reduziert auf das Nötigste wie das Cover. Die 567 Seiten unterteilen sich in 70 Kapitel und einen Epilog, nur die Zahl grenzt das vorangegangene vom nächsten Kapitel ab. Das Geschehen um Joe O´Loughlin wird regelmäßig durch die Gedanken des vermeintlichen Mörders unterbrochen.
    Michael Robotham hält den Spannungslevel bewusst die ersten zweidrittel des Buches auf einer relativ hohen Ebene. Die letzten 200 Seiten rast das Geschehen dann nur so, und es fällt dem Leser sehr schwer das Buch aus der Hand zu legen. Robotham verteilt die Hinweise, die zum Mörder führen, geschickt im ganzen Buch, sodass es dem Leser leicht fällt dem Geschehen zu folgen und selbst mitzuraten. Mit einem nüchternen aber dennoch spannenden Schreibstil und witzigen Wortkompositionen wird es keine Sekunde langweilig.

    Michael Robotham hat mit „Dein Wille geschehe“ einen inhaltlich sehr gut durchdachten Thriller geschrieben, der jeden fesseln wird, der dieses Buch zur Hand nimmt. Auf atemberaubende Art erzählt er von der manipulierenden Macht der Worte. Somit ist dieses Buch nicht nur für Thrillerfans geeignet, sondern auch für alle, die sich für die menschliche Psyche interessieren.

    © Corinna Müller

    Daten zu Michael Robotham "Dein Wille geschehe":
    ISBN: 978-3-442-31178-1
    Verlag: Goldmann
    Preis: 19,95 €
    Seitenzahl: 567

     

  • Cornelia Franz "Das Land des Vergessens"

    Das Buch „Das Land des Vergessens“ von Cornelia Franz behandelt das traurige Thema, wenn ein Kind durch eine Dummheit stirbt und die qualvolle Zeit danach.

    Jesse ist 10 Jahre alt als er von einem Baumhaus stürzt und stirbt. Die Geschichte beginnt ein Jahr nach seinem Tod. Seine Mutter und sein Vater tun alles, um nicht an Jesse denken zu müssen und trennen sich letztlich aufgrund der schwierigen Lage. Siri, die kleine Schwester, hingegen spürt Jesse bei sich, deckt für ihn den Tisch und redet mit ihm. Als Erinnerungsstück hütet sie das blaue Laserschwert ihres Bruders wie einen Schatz. Als die Mutter eines Tages eben diesen wertvollen Gegenstand entsorgen will, läuft Siri zu dem Baumhaus, bei dem alles angefangen hat und landet in einem fremden Land – das Land des Vergessens.

    Rein äußerlich stellt das Cover nicht ganz den Inhalt des Buches dar. Der bedrohliche Berg ist darauf kaum zu erkennen und das Bild von dem Jungen in der Kugel ist auch nicht passend. Der Fluss wiederum als Trennlinie zwischen dem Land des Vergessens und der schönen bewaldeten Gegend ist ein gut gewähltes Symbol. Die Kapitelgestaltung finde ich sehr angenehm. Die Kapitelüberschrift als Mini-Zusammenfassung des gesamten Abschnittes ist mal etwas anderes und bereitet den Lesenden auf das Folgende vor. Die Länge dieser Abschnitte ist ebenfalls praktisch. Man schwingt von Kapitel zu Kapitel, wodurch das Buch recht schnell zu Ende ist.
    Beim Lesen hat mich die Beschreibung von Aisha in der dritten Person gestört: „[…] sagte ES […]“, „[…] ging ein paar Meter hinter IHM.“, „SEINE dunkelbraunen Augen […]“. Diese Art und Weise der Formulierung ist doch recht ungewöhnlich und so stolperte ich beim Lesen immer wieder darüber.

    Dieses Buch behandelt ein schwieriges Thema und das macht es gut. Es werden Fragen aufgeworfen wie: Was passiert nach dem Tod? Wie geht man mit dem quälenden Schmerz um? Die Lehre aus der Erzählung ist, dass man seine geliebten Menschen nicht vergessen sollte, denn erst wenn dies passiert, sind sie wirklich tot.
    Weiterhin wird das Thema Angst behandelt. Die meisten Dinge vor denen man sich fürchtet verlieren ihre Bedrohlichkeit, wenn man sie sich genauer anschaut und sich selber sagt, dass man gar keine Angst haben muss.
    Dieses Buch ist auf jeden Fall für größere Kinder und junge Jugendliche geeignet und somit empfehlenswert.

    © Corinna Müller

    Daten zu Cornelia Franz "Das Land des Vergessens":
    ISBN: 978-3-499-21477-6
    Preis: 12,95 €
    Verlag: rororo rotfuchs
    Seitenzahl: 320

  • William Paul Young "Die Hütte"

    In seinem ersten Roman „Die Hütte“ schreibt William Paul Young über den tragischen Verlust eines Kindes und die Große Traurigkeit.
    Mack´s Tochter Missy wird bei einem Zelturlaub am See entführt und ermordet. Jahre nach diesem folgeschweren Ereignis wurde weder der Mörder gefasst noch die Leiche der Kleinen gefunden. Mack versinkt seit Missy´s Verschinden in der Großen Traurigkeit und auch der Rest der Familie kann es nicht wirklich verarbeiten. Als Mack einen Brief erhält, angeblich von Gott, soll sich alles ändern. Gott lädt Mack zu einem Wochenende auf die Hütte ein. Was wird dort passieren? Ist der Brief wirklich von Gott höchstpersönlich?

    Rein äußerlich ist dieses Buch ein Augenschmaus. Die liebevolle und detailreiche Gestaltung des Covers verleitet direkt zum „in-die-Hand-nehmen-und-drin-blättern“. Zu Beginn eines jeden Kapitels steht ein interessantes Zitat, welches auf den Inhalt des folgenden Abschnitts verweist.
    Vorangestellt ist dem Roman ein Inhaltsverzeichnis. Im Allgemeinen finde ich diese unnötig und oftmals vorgreifend. In diesem Fall aber verraten die Kapitelüberschriften nicht zu viel, im Gegenteil, sie machen Lust auf das Buch.
    Ich habe keine konkrete Erklärung dafür, weshalb dieses Buch mich beim Lesen so mitgerissen hat. Aber die Erläuterungen von Gott auf Mack´s Fragen hin waren nicht der Auslöser. Gott bezieht alles auf die gesamte Menschheit, während ein Mensch in Trauer sich eher auf sich und seine eigenen Gefühle konzentriert. In diesem Sinne hat mich das Buch nicht bekehrt, dennoch ist es in gewisser Weise ansteckend, da es von Menschen geschrieben und erarbeitet wurde, die etwas größeres im Sinn haben. Außerdem ist die Entstehungsgeschichte des Buches beeindruckend.

    Sicher liest ein glaubender Mensch dieses Buch anders als jemand, der nicht an ein gottähnliches Wesen glaubt. Aber mitreißen wird es dennoch beide Sparten. Es ist ein tolles, spannendes und aufregendes Buch. Es hat seinen Platz auf der Bestsellerliste eindeutig verdient. 

    Daten zu William Paul Young "Die Hütte":
    ISBN: 978-3-7934-2166-5
    Preis: 16,90 €
    Verlag: Allegria Verlag
    Seitenzahl: 304

  • Louise Jacobs "Gesellschaftsspiele"

    Künstler Drama ohne Tiefgang

    Louise Jacobs schreibt in ihrem neuen Roman „Gesellschaftsspiele“ über die Oberflächlichkeit der Kunstszene und wie sich ein einzelner Mensch darin verlieren und sich selbst vergessen kann. Alles dreht sich um Leo Beckers zerrissenes Leben, er hasst die Kunstszene und deren Gehaltlosigkeit und doch lebt er von und in ihr. Er sucht die Liebe und Romantik in der Beziehung und doch hintergeht er Rahel, seine Frau, von der Hochzeitsnacht an. Er bekommt die großartige Chance für ein New Yorker Museum 12 Bilder zu malen und doch gibt er diese unfertig ab. Eine Geschichte voller Gegensätzlichkeiten.

    Das Coverbild finde ich sehr zum Inhalt des Romanes passend und edel wirkend. Die Dicke der Seiten dagegen erweckt den Anschein, als wäre das Buch billig hergestellt. Oft hatte ich das Gefühl mehrere Seiten in der Hand zu haben. Weiterhin habe ich die rechtsbündigen Seitenzahlen als störend empfunden, da sie auf die nächste Seite durchdrucken und der kleine schwarze Punkt vom Lesen ablenkt.
    Das Rätsel um den Zweck der Zwischensequenzen in kursiv konnte ich bis zur letzten Seite nicht lösen. Waren es Überlegungen aus Leos Notizbuch? Oder die Gedanken eines übergeordneten Erzählers?
    Der Wechsel der Erzählstränge zwischen Leo, Ebba und Rahel hat die Verwirrung vollendet. Es war kein Muster erkennbar und so musste ich bei jedem Kapitel aufs Neue nachdenken, wer der Erzähler ist. Vielleicht hätte dies auch durch das Layout verdeutlicht werden können. Das Buch enthält viele oberflächliche Informationen, lässt den Leser nicht zu tief in die Geschichte eindringen. Ein Vorteil, wenn man es als Stilmittel sieht, da die Autorin somit die Oberflächlichkeit der Szene widerspiegelt. Ein Nachteil aber auch, da der Leser sich nicht ausreichend mit den Figuren identifizieren kann.

    Meiner Meinung nach hat dieses Buch keine Nachwirkung, man liest es und vergisst es. Es wirkt holprig geschrieben und schlecht durchdacht.

    © Corinna Müller

    Daten zu Louise Jacobs "Gesellschaftsspiele":
    ISBN: 978-3-940813176
    Preis: 19,95 €
    Verlag: Fahrenheit
    Seitenanzahl: 304

  • Gaby Hauptmann "Rückflug zu verschenken"

    „Rückflug zu verschenken“ von Gaby Hauptmann handelt von Clara, Typ Frauchen an der Seite des reichen Mannes. Betrogen von ihm, mit einer viel jüngeren Frau, verlässt sie fluchtartig den Lebensgefährten, das Haus und Deutschland. In ihrem „Auf-neue-Gedanken-kommen“-Urlaub auf Mallorca hat die Frau Doktor Innenarchitektin die Idee sich auf der Insel selbstständig zu machen. An dieser Stelle beginnt eine spannende Entwicklung nicht nur in der beruflichen Orientierung sondern auch in Clara selbst.

    Der Abstand zwischen dem Erwischen des Lebensgefährten beim Fremdgehen, ausziehen, Pläne schmieden und nach Mallorca fliegen, war mir zu anfangs viel zu kurz. Innerhalb von sechs Seiten passieren all diese Dinge. Der Vorteil daran ist, dass Gaby Hauptmann schnell zum Wesentlichen kommt, sie hält sich nicht an Dingen auf, die für den Rest des Buches unwesentlich sind. Aber an manch einer Stelle im Roman wird gerade dies zum Nachteil. Zum Beispiel fehlt es bei den intimeren Abschnitten stark an Gefühl. Und da gerade Frauen auf viel Gefühl wert legen, wirkt der Roman an manch einer Stelle stark oberflächlich und unglaubwürdig.

    Mein Fazit zu diesem Roman: Es ist ein Superbuch für den Urlaub am Strand. Es ist nicht belastend, sondern leicht verdaulich und spannend.

    © Corinna Müller

    Daten zu Gaby Hauptmann "Rückflug zu verschenken":
    ISBN: 978-3-492-26295-8
    Preis: 8,95 €
    Verlag: Piper
    Seitenzahl: 320

  • Stefan Beuse "Alles was du siehst"

    Der neue Roman von Stefan Beuse „Alles was du siehst“ erzählt drei Geschichten:
    Ein Ghostwriter soll in Amerika das Leben eines Mannes aufschreiben, von dem er nicht mehr hat als ein verschwommenes Bild. Sein Auftraggeber ist ihm unbekannt und er ist in einem Haus untergebracht, in dem ihn alle für einen Professor halten und leicht verrückt wirken.
    Ned verspürt eine besondere Beziehung zu Kasey, die er von einem Baum in ihrem Garten aus über Wochen hinweg beobachtet.
    Zwischen den Geschwistern Aaron und Lia besteht eine besondere Verbindung, und beide scheinen außergewöhnliche Fähigkeiten zu haben, die ihnen helfen in Geschichten und Bilder zu verschwinden, um der Wirklichkeit zu entfliehen.
    Aber welche Gemeinsamkeit haben diese Menschen, die scheinbar rein gar nichts miteinander zu tun haben?

    Das Umschlagbild entspricht dem Buch voll und ganz. Es verdeutlicht das Ineinandergreifen mehrerer Welten. Man kann es drehen und wenden, und sieht jedes Mal etwas anderes.
    Auch die Wahl der Schriftfarbe Silber passt gut zu dem Gesamtbild. Allerdings ist die Schrift auf den Klappseiten und der Rückseite zu weit gesetzt. Der Rand ist zu klein, somit wirkt es überladen und nicht dem Wert des Buches entsprechend.
    Der Roman von Stefan Beuse ist in fünf Teile untergliedert und es gehört jeweils ein Zitat zu einem Kapitel. Diese Zitate scheinen sorgfältig ausgewählt, denn sie spiegeln in gewisser Weise den Inhalt des Abschnittes wieder. Allgemein ist dieses Buch sehr poetisch geschrieben, ein Beispielsatz hierfür: „Ich kann das Meer hören, seine Stille“ oder „[…] Identität [ist] nicht mehr […] als die Summe aller Geschichten, die über jemanden erzählt werden […]“. Das Buch scheint von vorne bis hinten durchdacht zu sein, jedes Wort steht an der Stelle, an die es gehört. Ein Puzzleteil führt zum nächsten.

    Beim Lesen habe ich mich anfangs ein wenig an Alice im Wunderland erinnert gefühlt, auch wenn die eine Geschichte mit der anderen so rein gar nichts zu tun hat. Aber was der Ghostwriter in dem Haus so erlebt, ist sehr phantastisch, wie bei Alice. Ich finde dieses Buch sehr spannend, es fesselt einen noch nachdem man es zur Seite gelegt hat.
    Es muss mehr als einmal gelesen werden, um es in seiner Gesamtheit zu begreifen. Insofern würde ich es Menschen empfehlen, die nicht nur eben zwischendurch einen Roman lesen wollen, den man hinterher wieder schnell vergessen kann. Dies ist ein Buch, welches nachwirkt.

    © Corinna Müller

    Daten zu Stefan Beuse "Alles was du siehst":
    ISBN: 978-3-406-58244-8
    Preis: 17,90 €
    Verag: C.H. Beck
    Seitenzahl: 173

  • Lionel Shriver "Liebespaarungen"

    Was ist, wenn eine Entscheidung das gesamte Leben verändern kann? In dem Buch „Liebespaarungen“ von Lionel Shriver wird genau dieses Thema „Was wäre wenn…“ aufgegriffen und die Frage gestellt, was passiert, wenn ich an einer Weggabelung nach links gehe oder nach rechts.
    Irina McGovern steht vor einer solchen Entscheidung. Wird sie ihren langjährigen verlässlichen „Fast-Ehemann“ Lawrence betrügen und verlassen für ein wilderes aber ungewisses Leben mit dem Snooker-Star Ramsey? Ab diesem Punkt gibt es jedes Kapitel in dem Buch von Lionel Shiver zweimal.

    Diese Art der Darstellung ist eine interessante Idee, aber die Umsetzung ist nicht wirklich gelungen. Lionel Shriver verliert sich in Einzelheiten, die das lesen an so mancher Stelle zur Qual machen, denn die Geschichte dehnt sich, wie Kaugummi.
    Hinzu kommt, dass die Geschichte um Irina, Lawrence und Ramsey aber einer gewissen Stelle vorhersehbar ist. In dem Leben mit Lawrence macht Irina immer das genaue Gegenteil von dem, was Irina in dem Leben mit Ramsey macht und die Dialoge sind auch fast immer die gleichen, nur dass es wechselt, wer was sagt. Was Irina in ihrem Leben mit Lawrence liebt, hasst sie in ihrem Leben mit Ramsey. Die gesamte Geschichte ist meiner Meinung nach unglaubwürdig. Die Charaktere entwickeln sich nicht nur unterschiedlich in den zwei Leben, sondern sie sind komplett unterschiedlich.
    Dazu kommt noch, dass mir 1997 einfach schon zu lange her ist. Es ist ein sehr kleines Detail, welches man nicht hätte so einfach ändern können, aber am Anfang hat es mich gestört.

    Das Fazit dieses Buches ist eher ernüchternd: Es ist egal, wie man sich an einem Wendepunkt im Leben entscheidet, das Ende wird dasselbe oder zumindest sehr ähnlich sein.
    Stell sich die Frage: Wenn unser Schicksal immer das gleiche ist, egal welche Entscheidungen man trifft, wieso trifft man dann noch Entscheidungen?

    © Corinna Müller

    Daten zu Lionel Shriver "Liebespaarungen":
    ISBN: 978-3-492-05096-8
    Preis: 19,95 €
    Verlag: Piper Verlag
    Seitenzahl: 592

  • Daniel Glattauer "Alle sieben Wellen"

    Emmi und Leo. Auch in der Fortsetzung von „Gut gegen Nordwind“ bestreiten Emmi und Leo ihre Gefühle gemeinsam.
    Nach neunmonatiger Sendepause nimmt Emmi den E-Mail Kontakt wieder auf. Leo kehrt aus Boston zurück. Und so nimmt die E-Mail Beziehung aufs Neue ihren Lauf, denn trennen können sie sich ja doch nicht voneinander.
    Wird es ein Treffen geben? Wie wird das Treffen verlaufen? Was werden sie nach dem Treffen voneinander halten?
    Glattauer versteht es seine Leser gefangen zu nehmen, in der kleinen Welt von Emmi und Leo zu halten, zum Weiterlesen zu animieren, indem er es unmöglich macht, das Buch mittendrin zur Seite zu legen. E-Mail an E-Mail gereiht, mit viel Humor und Wortwitz und einer wunderbar klaren Schreibweise lockt er uns voran und plötzlich ist das Buch zu Ende.
    Es ist eine Herausforderung dieses Buch zu beschreiben. Aber: Ich konnte mich in das Buch hineinfühlen, in Emmi und Leo hineinfühlen, deren Handlungen verstehen und nachvollziehen. Und wahrscheinlich hätte ich genauso gehandelt. Wie schafft der Herr Glattauer das? Er spart mit genaueren Angaben zum Aussehen der beiden also macht der Leser sich sein eigenes Bild. Unweigerlich denkt und fühlt man wie Emmi und Leo. Jeder kann sich seinen eigenen Leo und seine eigene Emmi erschaffen, so wie auch Emmi und Leo es in „Gut gegen Nordwind“ taten.
    Das Buch hat mich oft zum Lachen gebracht. Allein die Vorstellung, wie Emmi vorm Computer sitzt und sich mit dem Systemmanager unterhält, wirft mich auch nur bei dem Gedanken daran vom Schreibtischstuhl.
    Am besten ist es geeignet für einen schönen Nachmittag oder Abend im Bett mit einer schönen großen Tasse Tee. Und als Tipp am Rande: Aus den Büchern von Glattauer könnten sich sowie Mann als auch Frau Tipps für den nächsten Liebesbrief holen.
    Ich bin sehr begeistert von dem Buch und kann es jedem empfehlen, der einmal für ein paar Stunden abschalten und mit Emmi und Leo in ihre Welt eintauchen möchte.

    Mein Lieblingszitat aus diesem Buch: „Flucht ist nie der Endpunkt, immer nur dessen Herauszögerung.“

    © Corinna Müller

    Daten zu Daniel Glattauer "Alle sieben Wellen":
    ISBN: 978-3-552-06093-7
    Preis: 17,90 €
    Verlag: Deuticke
    Seitenzahl: 224

  • Klaus-Peter Wolf "Licht am Ende des Tunnels"

    Das Jugendbuch „Licht am Ende des Tunnels“ von Klaus-Peter Wolf handelt von Robert, einem jungen Erben eines millionenschweren Unternehmens, und seiner Entführung. Robert überlebt die Gefangenschaft in einer engen Kiste nur, da er sich der Anwesenheit der Seele seines verstorbenen Großvaters bewusst ist. Sein Opa ist sein Schutzengel.

    Klaus-Peter Wolf hat einen einfachen Schreibstil, der mich beim Lesen vorangetrieben hat. Er verwendet viele Metaphern, die die Situation anschaulicher und besser nachvollziehbar gestalten. Auch wenn man zwischendurch denkt, dass sich Robert für sein Alter doch sehr gut durch die Entführung manövriert, fehlt doch eine genauere Beschreibung seiner Emotionen in solch einer Lage.

    Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass die Entführung eher eine Rahmenhandlung darstellt und das eigentliche Thema das Meistern schwieriger Situationen und des Lebens selber ist. Roberts Opa ist teilweise sehr philosophisch in seinen Aussagen und ich fand es gut. Denn so lernen junge Leser durch dieses Buch etwas über das Leben. Aber das Ende des Buches hatte ich mir anders vorgestellt.

    Dennoch fand ich das Buch bis zuletzt spannend und empfehle es gerne und guten Gewissens weiter.

    © Corinna Müller

    Daten zu Klaus-Peter Wolf "Licht am Ende des Tunnels"
    ISBN: 3760728219
    Preis: 8,95 €
    Verlag: Ars Edition GmbH

  • Joel Haahtela "Sehnsucht nach Elena"

    In seinem zweiten Roman „Sehnsucht nach Elena“ beschreibt Joel Haahtela die große Leere,   die ein Mensch in uns hinterlässt, wenn er stirbt.
    Der Protagonist geht eines morgens durch Zufall einen anderen Weg als sonst, er steigt nach fünf Haltestellen aus der Straßenbahn aus, nicht nach sieben. Auf dem Weg durch den Park trifft er sie, Elena. Er fühlt sich seltsam verbunden mit ihr und beobachtet sie fortan täglich auf ihrem Weg durch den Park. Sie ist eine Art Sucht für ihn, er braucht sie, um am nächsten Tag einen Grund hat aufzustehen, um seine Vergangenheit zu überwinden.

    Das Buch ist mit 152 Seiten ein eher kurzes Lesevergnügen, besteht aus vier Teilen und sehr kurzen Kapiteln, selten länger als zwei Seiten. Joel Haahtela benutzt vorrangig Haupt- bzw. kurze Sätze. Er hat einen klaren flüssigen Schreibstil, welches das Lesen angenehm macht und die Handlung schnell vorantreibt.

    Am Anfang war das Buch für mich sehr verwirrend, da ich nicht einordnen konnte, ob der Protagonist Gut oder Böse ist, ein einfacher trauriger Mann oder ein Stalker.
    Der Autor lässt den Leser lange im Unklaren darüber, wer die handelnde Person eigentlich ist, welches Alter er hat, welche Gründe er für sein Handeln hat. Trotz der wenigen Informationen fühlt man sich beim Lesen, als würde man den Protagonisten schon ewig kennen, wie als würde man in derselben Situation genauso handeln. Dadurch, dass Joel Haahtela darauf verzichtet uns zu erklären, wer die Hauptperson ist, reduziert er das Geschehen auf das Wesentliche. Das Wichtigste wird nicht durch bedeutungslose Informationen verdeckt.
    Die sehr kurzen Kapitel unterbrechen den Lesefluss und es entsteht kein richtiger Zusammenhang zwischen den einzelnen Sequenzen. Erst am Ende des Buches versteht man. Aber gerade diese kurzen Kapitel treiben den Leser voran, lassen ihn von einem Kapitel zum nächsten schwingen und ehe man sich versieht, ist das Buch zu Ende.
    Meiner Meinung nach ist dies ein wundeschönes Buch, gut geeignet zum Träumen und kurzfristigen Abschalten aus dem Alttagsstress. Es reißt mit und veranlasst den Leser zum nachdenken über das eigene Leben.
    Allerdings muss ich sagen, dass ich den Preis von 16 € für 152 Seiten als zu teuer empfinde. Trotzdem finde ich das Buch sehr empfehlenswert.

    © Corinna Müller

    Daten zu Joel Haahtela "Sehnsucht nach Elena"
    ISBN: 349205238X
    Preis: 16 €
    Verlag: Piper Nordiska
    Erscheinungsdatum: 27.02.2009

  • Zoran Drvenkar "Sorry"

    Vier Freunde, eine grandiose Geschäftsidee und ein Irrer, der mordet. „Sorry“ heißt die Agentur, die von Kris, Wolf, Frauke und Tamara geführt wird. Sie entschuldigen sich für andere, die es nicht fertig bringen. Eine gute Sache, die viel Geld bringt. Bis sie einen nervenaufreibenden Auftrag bekommen: Sie sollen sich bei einer Leiche für den Mörder entschuldigen.

    Zoran Drvenkar hat einen ungewöhnlichen Thriller in einem ungewöhnlichen Schreibstil verfasst. Er schreibt, als würde er über der Geschichte stehen, alles beobachten und wissen, wie es endet. Er tritt in Form des Erzählers auf, der die Personen zu leiten scheint. Da gibt es einen „Du“, der von der Vorsehung gelenkt wird, wie eine Marionette. Und es gibt Tamara, Frauke, Kris und Wolf. Abwechselnd beschreiben sie ihre Handlungen und Empfindungen in diesem Spiel.

    Die Verwirrung ist bis zum Ende perfekt, was die Spannung auf dem höchsten Punkt hält. Von der ersten Seite an stellen sich so viele Fragen, die bis kurz vor Schluss nicht beantwortet werden. Das ist auch der Grund, weshalb „Sorry“ ein Buch ist, welches man, bis auch das letzte Wort gelesen ist, nicht aus der Hand zu legen vermag. Man muss es einfach in einem Zug zu Ende lesen, damit man erfährt, wie die Puzzleteile zusammen passen.

    Einziger Nachteil in meinen Augen ist die alte Rechtschreibung. Aber vielleicht versucht Zoran Drvenkar auch über die Rechtschreibung die Verwirrung zu transportieren, die das ganze Buch beherrscht?

    Mein Lieblingszitat aus diesem Buch: „Er fragt sich, wie man eine Welt gerade rücken soll, in der sich jeder daran gewöhnt hat, schief zu stehen.“

    © Corinna Müller

    Daten zu Zoran Drvenkar "Sorry"
    ISBN: 3550087721
    Preis: 19,90 €
    Verlag: Ullstein Verlag GmbH
    Erscheinungsdatum 13.02.2009

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